Phenomden knackte den musikalischen Jackpot

Der Zürcher Reggae-Sänger Phenomden begeisterte am Freitagabend eine bis auf den letzten Platz ausverkaufte Kammgarn. Ein Konzertbericht von Luc Hardmeier.

Bericht: Luc Hardmeier, Foto: Michael Kessler/ SN

«Ich habe mich krass auf heute gefreut», sagte Besucher Lucas, der für der Künstler Phenomden extra von Luzern aus angereist war. Er war einer von knapp 800 Gästen in der restlos ausverkauften Kammgarn. Phenomden steht seit über 20 Jahren auf der Bühne und ist eine feste Grösse in der Schweizer Reggaeszene. Unzählige Male war er schon in Schaffhausen und hat in der Munotstadt eine grosse Fangemeinde. Kein Wunder also waren am Freitagabend viele bekannte Gesichter aus der halben Schaffhauser Kulturszene gekommen, um den 45-Jährigen anzufeuern. Als Phenomden die Bühne betrat, wurde er sodann auch gefeiert, als würde ein Fussballstar ein Heimspiel geben. Euphorische Zurufe und lauter Jubel erklang. Schon beim ersten Song von ihm und der Basler Band «The Scrucialists» wurde getanzt und mitgesungen. Der Bär steppt nicht nur, sondern er sprang in der Kammgarn einen Reggae-Salto nach dem anderen. Dennis Furrer, wie Phenomden mit bürgerlichem Namen heisst, war mit seinem neuen Album «Casino True Love” angereist. Er vergleicht in seinen neuen Songs die Suche nach der wahren Liebe mit dem Glücksspiel im Casino. Die traurige Geschichte dahinter ist, dass Phenomden mittlerweile alleinerziehender Vater ist und auf dem Album auch seine Trennung verarbeitet. Die Musik gibt ihm Kraft und am Freitagabend sah man ihm an, dass er mit seiner Casino-Tournee auch in Schaffhausen den musikalischen Jackpot geknackt hatte. Er feuerte einen Hit nach dem anderen in die Menge. «Schaffhausen, ich will eure verdammten Hände sehen», fluchte er mit breitem Grinsen durchs Mikrophon. Phenomden hat eine unglaubliche Energie und Leichtigkeit, die sehr ansteckend ist. Seine warmen jamaikanischen Klänge vertrieben die winterliche Kälte und liessen die Sonne von Kingston Town in den Herzen der Gäste strahlen. Egal ob «Dance im Olivenhain», «Eiland» oder «Franco Nero», das breite Zürcher «R» rollte dominant und vermischte sich mit den harmonischen Offbeat-Klängen zu einem Mix, als hätte Bob Marley ein Poesiealbum geschrieben und es nicht nur vertont, sondern auch gleich auf Schweizerdeutsch übersetzt. Nicht jedes Lied war ein Knaller. Ein paar neue Songs, die Phenomden mit der Kopfstimme sang, wirkten ein wenig schrill und ungewohnt. Doch die Vielzahl an Hits und Klassikern machte das mehr als nur wett. Die Besucherinnen und Besucher sangen so kräftig mit, dass Phenomden meinte: «Wahnsinn, ihr könnt das ja besser als ich!». Der Sänger genoss sichtlich den Auftritt. Er tanzte und feierte auf der Bühne und liess nach einer ultralauten Klatsch-Orgie sich nicht lange bitten, eine Zugabe zu geben. Nachdem im Kammgarn-Casino das Roulette-Rad zu Ende gedreht hatte, lud das Soundsystem «Real Rock» zu einer ausgiebigen Jamaika-Disco bis in die tiefe Nacht hinein.

Ein Konzertbericht von Luc Hardmeier. Erschienen am Montag, 24. November 2025 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“.

Nummer-eins-Hits in der Kammgarn

Am Freitagabend trat der Singer-Songwriter Milow in der Kammgarn auf. Ein Konzertbericht von Luc Hardmeier.

Bericht: Luc Hardmeier, Foto: Julius Hatt/ SN

Ganz alleine stand sie auf der Bühne. Florence Arman war der Voract von Milow und zog die hunderte von Gästen in der Kammgarn schnell in ihren Bann. Die warme Stimme der britisch-österreichischen Sängerin war stark und melodisch. Ihre Musik klang, als hätte man einen Regenbogen, ein Einhorn und jede Menge Zuckerwatte in einen Mixer gesteckt. Ihre Leichtigkeit, ihr Humor und ihre Melancholie zeigte sich beispielsweise im Song «Brand new Shoes». Die Schuhe standen stellvertretend für einen Neuanfang. Fest geschnürt und abmarschbereit für eine neue Beziehung oder die Flucht aus dem grauen Alltag. «Schaffhausen, Make Some Noise!», forderte wenig später der Hauptact Milow, als er die Bühne betrat. Der belgische Singer-Songwriter heisst eigentlich Jonathan Vandenbroeck und besuchte im Rahmen seiner «Boy Made Out Of Stars» – Tour die Munotstadt. Milow war von Anfang an sehr sympathisch und erzählte zwischen den Liedern immer wieder kleine Anekdoten. So beispielsweise, dass er vor acht Jahren das letzte Mal in Schaffhausen war und sein Gitarrist sich beim Spaziergang Richtung Rheinfall heillos verlaufen habe. Spätestens seit dem Hit «Ayo Technology» ist Milow ein Weltstar und spielt die Hitparade rauf und runter. Seine Musik ist gemütlich und harmonisch. Ein bisschen so, als würde ein Cowboy in den Sonnenuntergag reiten. Hinter ihm liegt vielleicht ein Banküberfall oder eine Schlägerei. Und nun ist er auf seiner Heimreise bereit, ein letztes Mal den Saloon in der Kammgarn zu rocken. Milow erzählte, dass Musik für ihn immer sehr wichtig gewesen sei. «Es ist einfach wunderschön und ich freue mich sehr, diese Emotionen mit euch zu teilen.» Die Besucherinnen und Besucher waren oft als Pärchen in der Kammgarn. Sie tanzten, sangen mit und schwenkten ihre Hände im Takt in der Luft. Milow sang beim Lied «Asap» eine Hymne über die Freundschaft. Die Hauptbotschaft bestand darin, dass man sich in schwierigen Zeiten immer auf die besten Menschen an seiner Seite verlassen kann. Ein wichtiger Teil seiner Lieder nahm auch die Beziehung zu seinem sehr früh verstorbenen Vater ein. Beim Song «Family Tree» spielte er die Stimme seines Vaters ein. Nach seinem Tod hatte er eine Aufnahme eines Liedes seines Vaters gefunden, welche er mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz so aufgearbeitet hat, dass er in der Kammgarn mit ihm im Duett singen konnte. Ein sehr bewegender Moment. Später trat er sodann aufs Gaspedal. Stücke wie «You Don’t Know» oder «Howling at the Moon» sorgten für Partystimmung in der Kammgarn. «Es ist Freitagabend, es gibt keine Entschuldigung, dass ihr nicht mit mir feiert», rief er fröhlich in die Menge. Der Abend endete mit einem grossen Feuerwerk, als er den Hit «Ayo Technology» spielte. Der Cowboy steckte zum Schluss zufrieden seinen Colt ins Halfter, sattelte das Pferd und ritt unter Applaus von der Kammgarnbühne direkt in den Sonnenuntergang.

Von Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 17. Nov. 2025.