Ein starkes Comeback mit Breakdance-Einlage

Nach 15 Jahren Pause sind die HipHop-Pioniere Sens Unik wieder auf Tour. In Schaffhausen feierten sie ein nostalgisches Wiedersehen. Ein Konzertbericht von Luc Hardmeier.

Bericht: Luc Hardmeier, Foto: Julius Hatt, SN

«A gauche, à droite» schrie das Publikum begeistert mit, als die Band Sens Unik zu ihrem Klassiker ansetzten. Über 500 Gäste waren am Freitagabend in die Kammgarn gekommen, um die legendären Pioniere des frankophonen Schweizer HipHops zu sehen. Vor 37 Jahren wurde die Formation in Lausanne gegründet, hat unzählige Konzerte gespielt und Hits produziert. Ihre Musik erlangte internationale Anerkennung und brachte ihnen fünf goldene Schallplatten ein. Auf ihrer Erfolgstour machten sie auch Halt in Schaffhausen. Im damaligen Tramdepot spielten sie ein legendäres Konzert, von dem auch am Freitagabend immer wieder die Rede war. 2010 löste sich die Band auf. Frontmann Carlos Leal startete eine Schauspielerkarriere, die Bandmitglieder bekamen Kinder und Sängerin Deborah ist mittlerweile sogar Grossmutter. An einer Geburtstagsparty stachelte sodann jemand Carlos Leal an, wieder aufzutreten. Der Sänger war zunächst skeptisch, doch ein Freund fragte bei Festivalveranstaltern an, deren Interesse riesig war. Die Band entschied sich für eine Comeback-Tournee. «Das war schon ziemlich hart», lachte Carlos Leal. «In unserem Alter eine Show zu starten, ist viel anstrengender als früher und wir mussten alle Texte wieder lernen.» Am Freitagabend merkte man den Musikern den Vorbereitungsstress aber nicht an. Im Gegenteil: Sie schienen locker, entspannt und es war sicherlich ein Vorteil, dass sie niemandem mehr etwas beweisen müssen. Der 56-jährige Frontmann liess sich sogar zu einem Breakdance-Solo auf der Bühne hinreissen, welches begeistert beklatscht wurde. Selbstverständlich spielte Sens Unik ihre Hits wie «C’est la vie», «Laisser toi aller» oder «Paquito». Im Publikum fanden sich viele Fans von früher und sogar der Schaffhauser Stadtpräsident. Der fröhliche und gemütliche HipHop der 90er Jahre brachte die Gäste zum Tanzen und die Hände schnellten in die Luft. Auf Kommando wurden sie von links nach rechts geschwenkt: A gauche, à droite erklang es aus hunderten von Kehlen. «ça va, Schaffhouse?», wollte die Band immer wieder wissen und Jubel-Wellen brandete ihnen entgegen, als wäre man an einem Strand im Sommer und würde die Hitze und das Meeresschauspiel im Liegestuhl mit einem Cocktail in der Hand geniessen. In einem Lied singt Carlos Leal, dass er der kleine Bruder von Don Quijote sei und gegen Windmühlen der Gegner kämpfe. In dieser Mission sieht sich der Sänger auch heute noch: Eine HipHop-Band muss seiner Meinung nach politisch sein. So forderte er während dem Konzert zu Applaus für alle Frauen auf der Welt auf. Auch wurden Videos eingespielt, bei welchen man zerstörte Häuser aus dem Gaza-Krieg sah. Sens Unik stellte sich politisch nicht auf eine bestimmte Seite, aber es wurde klar, dass Krieg, Leid und Ungerechtigkeit ganz klar ihr Feindbild waren. Die Musik und der Auftritt überzeugten: «Es war ein schönes Wiedersehen mit den Fans», freute sich auch Pascal Bührer von der Kammgarn.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 22. Dezemeber 2025. Von Luc Hardmeier.