Am Freitagabend trat der Singer-Songwriter Milow in der Kammgarn auf. Ein Konzertbericht von Luc Hardmeier.
Bericht: Luc Hardmeier, Foto: Julius Hatt/ SN
Ganz alleine stand sie auf der Bühne. Florence Arman war der Voract von Milow und zog die hunderte von Gästen in der Kammgarn schnell in ihren Bann. Die warme Stimme der britisch-österreichischen Sängerin war stark und melodisch. Ihre Musik klang, als hätte man einen Regenbogen, ein Einhorn und jede Menge Zuckerwatte in einen Mixer gesteckt. Ihre Leichtigkeit, ihr Humor und ihre Melancholie zeigte sich beispielsweise im Song «Brand new Shoes». Die Schuhe standen stellvertretend für einen Neuanfang. Fest geschnürt und abmarschbereit für eine neue Beziehung oder die Flucht aus dem grauen Alltag. «Schaffhausen, Make Some Noise!», forderte wenig später der Hauptact Milow, als er die Bühne betrat. Der belgische Singer-Songwriter heisst eigentlich Jonathan Vandenbroeck und besuchte im Rahmen seiner «Boy Made Out Of Stars» – Tour die Munotstadt. Milow war von Anfang an sehr sympathisch und erzählte zwischen den Liedern immer wieder kleine Anekdoten. So beispielsweise, dass er vor acht Jahren das letzte Mal in Schaffhausen war und sein Gitarrist sich beim Spaziergang Richtung Rheinfall heillos verlaufen habe. Spätestens seit dem Hit «Ayo Technology» ist Milow ein Weltstar und spielt die Hitparade rauf und runter. Seine Musik ist gemütlich und harmonisch. Ein bisschen so, als würde ein Cowboy in den Sonnenuntergag reiten. Hinter ihm liegt vielleicht ein Banküberfall oder eine Schlägerei. Und nun ist er auf seiner Heimreise bereit, ein letztes Mal den Saloon in der Kammgarn zu rocken. Milow erzählte, dass Musik für ihn immer sehr wichtig gewesen sei. «Es ist einfach wunderschön und ich freue mich sehr, diese Emotionen mit euch zu teilen.» Die Besucherinnen und Besucher waren oft als Pärchen in der Kammgarn. Sie tanzten, sangen mit und schwenkten ihre Hände im Takt in der Luft. Milow sang beim Lied «Asap» eine Hymne über die Freundschaft. Die Hauptbotschaft bestand darin, dass man sich in schwierigen Zeiten immer auf die besten Menschen an seiner Seite verlassen kann. Ein wichtiger Teil seiner Lieder nahm auch die Beziehung zu seinem sehr früh verstorbenen Vater ein. Beim Song «Family Tree» spielte er die Stimme seines Vaters ein. Nach seinem Tod hatte er eine Aufnahme eines Liedes seines Vaters gefunden, welche er mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz so aufgearbeitet hat, dass er in der Kammgarn mit ihm im Duett singen konnte. Ein sehr bewegender Moment. Später trat er sodann aufs Gaspedal. Stücke wie «You Don’t Know» oder «Howling at the Moon» sorgten für Partystimmung in der Kammgarn. «Es ist Freitagabend, es gibt keine Entschuldigung, dass ihr nicht mit mir feiert», rief er fröhlich in die Menge. Der Abend endete mit einem grossen Feuerwerk, als er den Hit «Ayo Technology» spielte. Der Cowboy steckte zum Schluss zufrieden seinen Colt ins Halfter, sattelte das Pferd und ritt unter Applaus von der Kammgarnbühne direkt in den Sonnenuntergang.
Von Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 17. Nov. 2025.
