Von Hermann-Luc Hardmeier: Beim Schaffhauser Sommertheater 2015 wird alles anders. Am Donnerstagabend präsentierte das Team im „Cardinal“ ihr faszinierendes Konzept. Hermann-Luc Hardmeier hat für die Zeitung Schaffhauser Nachrichten einen Bericht darüber geschrieben.
Bild: Das Team des Sommertheaters. Vordere Reihe von links: Sängerin Kornelia Bruggmann, Choreografin Ursula Lips, Regisseur Walter Millns. Hintere Reihe von links: Musikverantwortlicher Thomas Silvestri sowie Kathrin Lang, Marina Wettstein und Katharina Furrer.  (Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)
„Die gute Nachricht ist, ihr müsst keinen Text lernen“, erzählte Walter Millns den Anwesenden. Gut 30 Interessierte waren in den Proberaum des Cardinals gekommen, um vom Sommertheater-Team die wichtigsten Details des Stückes zu erfahren. Der Regisseur Walter Millns liess gleich zu Beginn die Bombe platzen: Das Theater wird vollständig ohne Dialoge auskommen. Das Theater mit dem Namen „Das Parkett“ soll ein Tanztheater sein, das historische Ereignisse aufnimmt und umsetzt. „Eines ist klar: Ich will keine Geschichtsstunde inszenieren“, sagte Walter Millns, der das Stück in Co-Produktion mit der Choregrafin Ursula Lips umsetzen wird. Vielmehr soll die Zeit von 1920 bis heute als Episodentheater mit Zeitsprüngen erzählt werden. Vielleicht sieht man zunächst eine Familie in den 50er Jahren. Die Kinder tanzen Rock’n’Roll, die Eltern rümpfen die Nase. Zeitsprung. Die gleiche Familie in den 60ern. Die Eltern „kiffen“, der Sohn lehnt den Joint des Vaters ab und verhält sich spiessig. Zeitsprung. Die gleiche Familie streitet sich um das Thema Atomkraft, weil die Mutter die Heizung aufdreht. Zeitsprung: Das erste Handy verändert das Familienleben, während im Hintergrund am TV ein Flugzeug in ein Hochhaus rast. Was genau passieren wird, ist noch völlig offen. Die Produktionsleiterin des Sommertheaters Katharina Furrer verteilt ein Personalblatt, auf welchem die Besucher angeben können, ob sie ein Instrument spielen, tanzen oder singen wollen. Das Theater wird um die Schauspieler herum gezimmert.
Bild: Das Sommertheater-Team stellt den Anwesenden das Programm vor. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)
Es gibt kein fixes Drehbuch. Einzig der Ort ist immer derselbe. Und: Im Zentrum der Geschichte steht ein WC. Die Sängerin Kornelia Bruggmann spielt die WC-Putzfrau und ist gleichzeitig der einzige Profi inmitten des Amateurensembles. Die gelernte Sängerin wird neben dem Unterhalt des stillen Örtchens auch um gute Songs bemüht sein. „Ich bin wahnsinnig gespannt“, sagte Katharina Furrer. „Wir erfinden das Stück zusammen mit den Schauspielern wie beim letzten Mal im Hotel Tanne.“ Auch Walter Millns war voller Vorfreude: „Nein, die Ungewissheit über den Inhalt des Stücks bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Für mich ist es ein kalkulierbares Risiko, dass so viel Kreativität freisetzt, die mich sicherlich nicht enttäuscht.“ Die Premiere des Stücks ist am 22. Juli 2015 im Hinterhof der Musikschule. Man darf sich immer noch bewerben: Tanzerfahrung ist keine Vorbedingung. Eine grosse Portion Neugier hingegen schon.
Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 22. November 2014.

