Am Freitagabend taufte die Schaffhauser Band „The Ammonites“ ihre erste Platte in der Kammgarn. Die Musiker wollen aber nicht nur unterhalten, sondern kritisiert in ihren Texten auch die Gesellschaft. Eine Konzertkritik von Luc Hardmeier.
Bericht Luc Hardmeier. Foto Michael Kessler/ SHN.ch
„Do you love Reggae?“, wollte am Freitagabend Frontmann Pascal Küng vom Publikum in der Kammgarn wissen und ein lautes «Yeah!», schallte ihm aus dutzenden von Kehlen entgegen. Die Stimmung war friedlich und die Band sorgte schnell dafür, dass der Funke zündete und der Saal bald lichterloh brannte. «Es freut uns brutal, dass wir in der Kammgarn unsere Platte taufen dürfen», sagte Gitarrist Maximilian Wiggenhauser im Interview vor dem Konzert. Die Combo trat bereits vier Mal an der Baumgartenstrasse als Vorband oder Begleitband auf. Bei Dodo, Inner Circle, Lutan Fyah und am Hoffest auf dem Balkon. «Diesmal sind wir der Hauptact, das ist natürlich genial und eine grosse Ehre», freut sich Wiggenhauser. In Schaffhausen kennt man die sechs Musiker auch von den Schaffhauser Kulturtagen, dem Lindli-Fest oder von ihrem Aufritt am Reggae-Abend in der Rhybadi. Die Combo gibt es schon seit über 12 Jahren. Früher traten sie unter dem Namen «Jah Pirates» auf, seit 2024 sind sie als «The Ammonites» unterwegs. Ammoniten sind Fossilien, die in der Region Schaffhausen oft vorkommen. Die Band will damit ausdrücken, dass ihnen die Wurzeln und die Geschichte wichtig sind. Musikalisch hat sich die Band dem Roots Reggae verschrieben. Inspiriert vom Studio-One-Sound von Bob Marley oder Burning Spear, aber auch von Lee «Scratch» Perry oder Barrington Levy. «Wir sind sechs Musiker, welche die verschiedensten Einflüsse und Musikgeschmäcker vereinen», erklärt Maximilian Wiggenhauser. So finden sich auch Soul-, Funk- und Rockelemente in ihren Arrangements, was ihrer Musik zusätzliche Farben verleiht. Am Freitagabend führte das zu einem spannenden Mix aus extrem tanzfreudigen Songs und gemütlichen sowie harmonischen Balladen. «The Ammonites» nahmen die Besucherinnen und Besucher mit auf einen heissen Strandtag mit dem Surfbrett unter dem Arm. Gemütlich durfte man sich in die Wellen stürzen oder mit einem leckeren Cocktail auf dem Liegestuhl am Strand verweilen. Eine spezielle Prise musikalisches Salz erhält die Band dadurch, dass ein Musiker mit der Violine den Reggae aufmischt oder der Sänger ganz alleine ein Set mit der Akustikgitarre zum Besten gab. Spannend ist auch, was «The Ammonites» mit ihren Texten dem Publikum mitgeben wollen. «Im Zentrum unserer Musik steht die Liebe, sie verbindet uns alle», sagte Sänger Pascal Küng. «Es ist aber mehr als Musik. Wir wollen die Freude am Leben vermitteln und kritische Denkanstösse geben.» Immer wieder betonen sie, dass die Unterdrückung eines der Hauptprobleme der Gesellschaft sei. «Es geht um den Freiheitskampf», so Maximilian Wiggenhauser. «Der Konflikt beginnt schon bei den Kindern mit dem Leistungsdruck, den sozialen Medien oder dem Zuckerkonsum und vergiftet die Gesellschaft schliesslich mit der Einschränkung von Menschenrechten oder Diktatoren, die man nicht mehr los wird.» Das Ganze gipfelt im Kampf gegen Babylon. «Babylon ist der böse Geist, der uns unterdrückt. Es kann metaphorisch für vieles stehen», so Wiggenhauser. «Wir wollen einen positiven Gegenpol aufstellen und an das Wichtigste – die Liebe – erinnern.» Bei ihrem Auftritt taufte die Band ihre Platte «The Golden Rule», indem das Vinyl aus einer golden leuchtenden Kiste sorgfältig befreit wurde. Der Sänger segnete sie anschliessend scherzhaft mit heiligem Mineralwasser aus seinem Glas. Ein Moment des Glücks, nachdem ein halbes Jahr schwer dafür geschuftet wurde. Das Konzert endete mit mehreren Zugaben und dem Fazit der Band: «Dankeschön. Wir machen das alles für euch und heute ist ein unvergesslicher Moment für uns.»
Von Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 21. September 2026.
