Zeichnungstalente im Wettlauf mit der Stoppuhr

Beim Comic-Battle am Freitagabend in der Kammgarn Schaffhausen entstanden kleine Kunstwerke unter enormen Zeitdruck. Ein Bericht von Luc Hardmeier.

Bildlegende: Nach dem Zeichnungsduell (hier zum Begriff Sägeblatt) wurde mit roten und blauen Karten abgestimmt. (Bericht: Luc Hardmeier, Foto: Melanie Duchene)

«Ich musste einige Teilnehmerinnen zu ihrem Glück zwingen», lachte Moderatorin Kooni. Kurz vor Beginn des Main-Battles sprach sie viele Damen im Publikum an, um das Mann-Frau-Verhältnis auf der Bühne ins Lot zu bringen. Die Künstlerinnen und Künstler traten jeweils zu zweit gegeneinander an. Die Glücksfee zog einen Begriff wie Sägeblatt, Tennisarm oder Elefant im Porzellanladen, danach konnte das Publikum den Entstehungsprozess der zwei Zeichnungen auf der Leinwand mitverfolgen. Bei «Sägeblatt» malte ein Kandidat beispielsweise eine Säge mit Gesicht und ein Baum mit Blättern, während sein Konkurrent ein Herz zeichnete, das von einem zackigen Werkzeug grausam zerteilt wurde. Nach dem Ablauf der Zeit von 3.30 Minuten mussten die Stifte weggelegt werden und die Gäste bewerteten mit einer roten oder blauen Karte, wer eine Runde weiter kam. Mitmachen durfte jede und jeder. Es waren Witz, Originalität, Improvisation und natürlich Nerven aus Stahl gefragt. «Ich hatte null Angst, mich zu blamieren», sagte Zeichnerin Madeleine Innocenti. «Es hat einfach Spass gemacht.» Ihre Schwester Angelika Shaba Dreher wurde zuerst selbst überredet, und überzeugte sodann Madeleine. «Ich hatte einen totalen Blackout auf der Bühne. Das Publikum war aber so wertschätzend, dass dies gar keine Rolle spielte.» Ihre schwierige Aufgabe war es, den Begriff «blau» darzustellen und sie wählte einen Blauwal, während am Konkurrenztisch ein betrunkener Herr gezeichnet wurde. «Für mich ist der Anlass wie die Steigerung des Gesellschaftsspiels Activity. Der Adrenalinkick vor dem grossen Publikum ist genial.» Der Zeitdruck machte Adrian Gadient etwas zu schaffen: «Ich war extrem aufgeregt auf der Bühne. Ich bin ein kreativer, etwas schräger Vogel, der aber unglaublich Spass hat, wenn ein Stichwort kommt, bei dem er sein Talent zeigen kann.» Der Hochbauzeichner schätzt am Anlass die «Narrenfreiheit» bei den Zeichnungen und die Abwechslung zu seinem Arbeitsalltag im Architekturbüro, bei welchem Humor beim Zeichnen selten gefragt ist. Moderatorin und Künstlerin Kooni veranstaltet den Anlass bereits zum 5. Mal. «Ich habe das Comic-Battle nicht erfunden, aber im Studium selber einmal an einem solchen Anlass teilgenommen und wollte es unbedingt nach Schaffhausen bringen.» Im Rahmen der Kulturtage hat sie dies sodann auch umgesetzt. «Ich glaube, bei diesem Anlass geht niemand enttäuscht nach Hause.» Während beim U-14-Wettkampf Fynn gewann, durfte beim Main-Battle Maty alias Matas Skudra den Pokal in Form eines riesigen Bleistifts nach Haus tragen. «Der Sieg spielt mir keine Rolle. Mit all diesen Leuten einen kreativen Wettbewerb zu erleben, war umwerfend und mega toll.» Da er aus Irland kommt und erst seit drei Jahren in der Schweiz lebt, mussten die Begriffe jeweils auf Englisch für ihn übersetzt werden. Noch schwieriger war es bei Teilnehmerin Clemi. Sie sprach ausschliesslich Französisch. Den Begriff «Rutschgefahr» konnte Kooni nur mit Hilfe des Publikums übersetzen. «Glissé? Glissant? Risque de Glisser?» Die Suche nach dem passenden Wort sorgte für viele Lacher. Als Clemi sodann eine Frau zeichnete, welche auf den Boden nach einem Sturz prallte, war man sicher: Die Übersetzung war gelungen. Der Abend endete mit Koonis passendem Fazit: «Applaus für jede und jeden, der sich auf die Bühne getraut hat!»

Von Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 9. Februar 2026.